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Der erste Kreuzzug....
Wir schreiben das Jahr 1095. Das christliche Abendland befindet sich im Chaos. Die Macht der Kirche wird immer weiter von sich rivalisierenden Adligen zurückgedrängt. Kaum ein Landstrich ist sicher vor Raubrittern, die verarmten Familien oder nachgeborenen und damit oft mittellosen Sprössen entstammen. Das gesamte feudale Gesellschaftssystem droht zugunsten unkontrollierter Kleinkriege in sich zusammenzubrechen.
Die Kirche, der jegliche Autorität nach und nach zu entgleiten beginnt, befindet sich unter Zugzwang. Ein militärisches Hilfegesuch des byzantinischen Basileus’ Alexios Komnenos, welches an Rom gerichtet ist, bringt Papst Urban II plötzlich auf eine Idee.
In der Synode von Clermont hält er am 27. November 1095 eine mitreißende Rede, in der er zu Tränen rührend von den Gräueltaten der Muslime im Heiligen Land berichtet und die gesamte Christenheit zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems aufruft. Er verspricht ewiges Seelenheil für alle Teilnehmer und stellt gleichzeitig große Reichtümer in Aussicht. Die Rede verfehlt ihre Wirkung nicht...
Zu hunderten nahmen Barone, Ritter, Bauern und Handwerker die kleinen Stoffkreuze entgegen, die ausgegeben wurden und gelobten das Heilige Land aus dem Griff der Ungläubigen zu befreien.
Vor allem die Armen und Ärmsten ergriff eine Inbrunst, die dazu führte, dass eine völlig unorganisierte Horde von Bauern, Tagelöhnern und Gesetzlosen sich zusammenrottete, um dem Aufruf seiner Heiligkeit zu folgen.
Plündernd und mordend zogen sie durch die Landen, und erreichten Byzanz. Der Basileus, sichtlich irritiert von diesem „Heer“, das so gar nicht dem entsprach was er auf sein Ersuchen aus Rom erwartet hätte, ließ sie über den Bosporus übersetzen, wo sie binnen kurzer Zeit von einer Streitmacht der Seldschuken zerschlagen wurden.
Der Europäische Adel indes ließ sich mehr Zeit bei der Vorbereitung. Aus dem ganzen Abendland strömten Ritter und Soldaten zusammen, bis das Heer auf eine Größe von ca. 50.000 Mann angewachsen war. Diese gewaltige Streitmacht erreichte den Bosporus und wurde schnell auf die östliche Seite verschifft, wo es sich nach einigen siegreichen Schlachten gegen die Rum-Seldschuken gen Antiochia in Bewegung setzte. Zwischenzeitlich trennte sich das Heer nach Unstimmigkeiten der Anführer, und Balduin von Boulogne marschierte mit seinem Heer nach Edessa, welches er eroberte und den ersten Kreuzfahrerstaat gründete.
1097 erreichte dagegen das Hauptheer der Kreuzfahrer das schwer befestigte Antiochia, welches sie nach einjähriger Belagerung eroberten und ein Blutbad unter der Bevölkerung anrichteten.
Kurz darauf wurden sie nun ihrerseits von einem gewaltigen muslimischen Entsatzheer belagert. Angeblich fand während dieser Belagerung ein junger Geistlicher die heilige Lanze des Longinus, von der Bohemund von Tarent angeblich in einer Vision erfahren haben wollte. Von diesem heiligen Relikt beflügelt und von Unstimmigkeiten unter den muslimischen Belagerern begünstigt, griffen die Christen das Belagerungsheer an und konnten einen entscheidenden Sieg erringen. Der Weg nach Jerusalem war nun frei.

(Belagerung Jerusalems, engl. Buchmalerei um 1350)
Das Heer, das nun unter der Führung von Raimund von Toulouse aufbrach, erreichte Jerusalem zu Beginn des Jahres 1099, und man begann die Stadt nach einem erfolglosen Ansturm auf die starken Mauern zu belagern. Nachdem sich das Kreuzfahrerheer, nun bedächtiger geworden, starke Belagerungsmaschinen baute, gelang es am15.Juli eine Bresche in die Mauern zu schlagen und die Stadt zu stürmen. Das darauf folgende Gemetzel, das die Kreuzfahrer unter der Zivilbevölkerung Jerusalems anrichteten, sollte das Bild der Muslime von den „Fränkischen Barbaren“ wie sie sie nannten, noch lange prägen.
Die Geburt der armen Soldaten Christi
Das Ziel des Kreuzzuges war nun erreicht. Das Heilige Land befand sich in der Hand der Christen, und viele der Fränkischen Ritter, die ihr Gelübde nun als erfüllt sahen, begannen in ihre Heimat zurückzureisen und nur etwa ein Viertel der Adligen und Soldaten verblieb in dem neu erschlossenen Herrschaftsgebiet. Gottfried von Bouillon, unter dessen Führung die Stadt erobert wurde, wurde Regent Jerusalems unter dem Titel „Verteidiger des Heiligen Grabes“. Unter seiner Führung wurde noch ein starkes Heer der ägyptischen Fatimiden vernichtend geschlagen, doch schon ein Jahr nach seinem Amtsantritt verstarb er. Sein Bruder Balduin von Boulogne hingegen erklärte Jerusalem zum Königreich und ließ sich zum König desselben küren.
Das grausame Hinschlachten der Zivilbevölkerung Jerusalems sollte sich nun jedoch rächen. Balduin herrschte über eine entvölkerte Stadt, die mehr einem Friedhof denn einer Pilgermetropole glich. Er versuchte Handwerker, Bauern und Kaufleute aus dem Abendland mit zahlreichen Vergünstigungen, wie Steuererleichterungen und ähnlichem in sein Reich zu locken, doch scheiterten diese Ambitionen anfänglich vor allem daran, dass hunderte von marodierenden Räuberbanden die Straßen für Pilger und andere nahezu unpassierbar machten. Gerade die Pilger aber waren es, die letztlich die Lebensader Jerusalems ausmachten. Durch sie florierten Handwerk und Handel dadurch auch die Steuereinnahmen.
Die wenigen noch im heiligen Land verbliebenen Truppen, die dem König noch zur Verfügung standen, wurden allesamt zur Verteidigung der stets von Muslimen bedrängten Grenzen benötigt, sodass er keinerlei Möglichkeit hatte, der Plage der Räuberbanden Herr zu werden, die immer mehr Reisende von seinem Königreich fern hielten, ohne seine bedrohten Grenzen zu entblößen. Der König befand sich damit in einem schwierigen Dilemma, doch sollte sich ihm bald eine Möglichkeit offenbaren, diesem abzuhelfen.
Irgendwann zwischen 1119 und 1120 sollen neun Ritter vor den König getreten sein und ihm ein Angebot gemacht haben, das Geschichte schreiben sollte.
Zu den Rittern gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach Hugo de Payens und Gottfried von Saint Omer, beide kampferprobte Ritter im Dienste von Adligen, die noch im Heiligen Land verblieben waren. Ihr Anerbieten war gleichermaßen unerhört wie einzigartig, denn es hatte zum Gegenstand, dass sie die Mönchsgelübde ablegen wollten, um als geistliche Krieger Christi, die Pilgerrouten und Handelsstraßen vor Räubern und Briganten zu säubern und zu überwachen. Als Gegenleistung baten sie den König lediglich, dass er ihnen den alten Tempels Salomons der mittlerweile zu einer Moschee umgebaut war, als Hauptquartier zur Verfügung stellen möge.
(König Balduin II. übergibt den Tempel Salomons an Hugo de Payens und Gottfried von Saint Omer)
Der König, sichtlich angetan von diesem Angebot, das die Lösung seiner Probleme in greifbare Nähe rücken ließ, machte seinen Einfluss beim Klerus geltend, um diesen für diese Zeit geradezu revolutionären Plan in die Wege leiten zu können.
Das große Areal, dessen Stallungen allein unter König Salomon angeblich 10.000 Pferde beherbergt haben soll, wurde emsig zu einem befestigten Hauptquartier ausgebaut. Die Al-Aqsa Moschee, wurde Teil dieser Operationsbasis und den Bedürfnissen des Ritterordens entsprechen umgebaut.
Es mutet geradezu verblüffend an, wie der Vorschlag des Hugo de Payens zur Schaffung des Ordens in diesen Zeiten auf allgemeine Zustimmung, ja geradezu Begeisterung stieß. Dass sie dem König gefiel, war ja noch nachvollziehbar, aber wie stand es mit dem Rest der Christenheit?
Mönche und Ritter waren schließlich zwei streng unterschiedene Kasten, war es den Mönchen doch durch die Bibel streng verboten, Blut zu vergießen, und nun sollten diese Männer Ritter und Mönch zugleich verkörpern.
Allerdings schien dieser schon fast unerhörte Gedanke der Kirche nicht ganz so abwegig, wie eigentlich zu vermuten gewesen wäre. Ging es doch schließlich um die Zukunft des Heiligen Landes, das sich nun erstmals in den Händen der Christenheit befand. Da war man offenbar gerne zu ursprünglich unvereinbaren Kompromissen bereit.
Es ist übrigens auch nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Muslime selbst das Vorbild oder zumindest eine Anregung für diese Symbiose von Kriegern und Klerus lieferten. Es gab im islamischen Raum nämlich Vereinigungen, die vor der Ordensgründung bereits sehr starke Ähnlichkeiten zu den Ritterorden aufwiesen. Besonders hervorstechend sind dabei die so genannten Futûwa (singular: Fatâ, arabisch für der rechtschaffen handelnde Mann). Sie entstammten der islamischen Aristokratie und bezeichneten sich als die die Erben Alis, des vierten Kalifen des Islam und Schwiegersohns des Propheten Mohammed, der zugleich auch vor allem von den Shiiten als wichtigster Prophet gesehen wird (im Gegensatz zu den Sunniten, die Ali zwar als Propheten anerkennen, Mohammed aber als den wichtigsten von Gott gesandten Propheten sehen). Auch diese Futûwa-Gemeinschaften widmeten ihren Alltag sowohl der religiösen Askese nach sufistischem Vorbild als auch dem Kampf für den Glauben und dem hochdisziplinierten Training, als geschlossener Heereskörper. Sie lebten für gewöhnlich als geschlossene Gesellschaften in so genannten ribats, die isolierte Stützpunkte an strategisch wichtigen Positionen waren, was später exakt dem Profil, der von den Ordensrittern gehaltenen Kreuzritterfestungen entsprach. Auch unterhielten sie oft Garnisonen in wichtigen Städten, wo sie in der Politik bedeutsame Rollen spielten. Diese und andere Ähnlichkeiten zu den Ritterorden sind wohl kaum von der Hand zu weisen.
Es würde vermutlich zu weit greifen in den Templern und ihnen nachfolgenden Ritterorden eine Nachahmung dieser Gemeinschaften sehen zu wollen, doch sind gewisse Parallelen unverkennbar.
Die Kirche, repräsentiert durch den Patriarchen von Jerusalem, unterstützte das Unterfangen, woraufhin die neun Ritter ihre drei Ordensgelübde vor dem Patriarchen ablegten.
Fortan sollte ihr Leben unter dem Primat der Armut, Keuschheit und des Gehorsams stehen.
Nur der Papst und seine Legaten sollten dem Orden übergeordnet sein, und vor niemanden sonst sollte sich je ein Tempelritter rechtfertigen oder gar unterordnen müssen.
Der Kirche war nun ein scharfes Schwert geschmiedet worden, die pauperes commilitones christi templique salomonici hierosalemitanis die Armen Ritter Christi und des Tempels von Salomon.
Nach der Gründung des Ordens wurde es allerdings zunächst einige Jahre recht still um seinen Fortgang. Für einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren entzogen sich die Tätigkeiten des Ordens dem Blick der Öffentlichkeit. Erst 1127 reiste Hugo von Payens wieder nach Europa, um neue Mitglieder und weitere Unterstützung für den Orden anzuwerben. Kurz zuvor ist der einflussreiche Graf Hugo de Champagne dem neuen Orden beigetreten. Jener Hugo wiederum war ein enger Freund von Bernhard de Clairvaux, einem ausgesprochen populären Geistlichen, der sich alsbald auch für den neuen Orden hellauf begeistert zeigte und in reißenden Reden für den Templerorden wie auch für die Führung eines neuen Kreuzzuges warb. Ab 1127 erfreute sich der Orden dadurch zahlreicher Schenkungen an Land, Geldmitteln und Ausrüstung. Im Jahre 1129 wurden auf dem Konzil von Troyes die Ordensregeln, welche von Bernhard de Clairvaux mitverfasst worden sein sollen, offiziell „ratifiziert“.
1139 wurde der Orden von Papst Innozenz II in seiner Bulle „omne datum optimum“ erneut offiziell bestätigt. Zudem wurde auch die Unantastbarkeit der Templer gegenüber jeglicher weltlicher Gewalt amtlich statuiert. Auch wurden ihm im Rahmen dessen zahlreiche Privilegien zugestanden, von denen weltliche Herrscher nur träumen konnten. So war der Orden von der Steuer befreit, unterstand in jeglicher Hinsicht ausschließlich dem Papst, und durfte als einzige christliche Institution Geld gegen Zinsen verleihen (später erhielten auch die Johanniter dieses Privileg). Vor allem letzteres sollte von dem Orden mit solcher Effizienz durchgeführt werden, dass darin gewissermaßen die ersten Grundzüge des abendländischen Bankwesens erkennbar waren und den Templern, begünstigt durch den hohen Handelsverkehr zum Heiligen Land, rapide Einfluss und Reichtum bescherte.
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Organisation des Ordens im Rahmen des Kriegswesen des Mittelalters
Mit dem Tempelritterorden war etwas völlig neues erschaffen worden und zwar nicht nur allein deshalb, weil Mönche und Ritter nun in einer Institution personifiziert wurden.
Die drei Gelübde, die im Zentrum des Lebens jedes Ordensritters standen und die durch die Ordensregel lediglich konkretisiert wurden, waren nicht ohne Grund gewählt worden.
Das Gebot der Armut, sollte die Ritter des Tempels grundlegend von ihren weltlichen Pendants unterscheiden. Ein jeder solle stets nur der großen Sache, der Kirche und der Gerechtigkeit dienen und gar nicht erst auf den Gedanken kommen, weltliche Güter anhäufen zu wollen. Ein jeder sollte gleich behandelt werden, ein jeder den gleichen Besitz, die gleiche Ausrüstung, die gleiche Unterkunft, die gleiche Verpflegung haben. Jeglicher Prunk war untersagt. Vor allem modische Erscheinungen wie die in einer Periode beliebten Schnabelschuhe waren strengstens untersagt. Auch typisch adliger Zeitvertreib, wie die Jagd, das Falknerwesen oder die Teilnahme an Turnieren waren den Rittern verboten.
Dergleichen spiegelt sich auch in dem zweiten Gelübde wieder, dem Gebot des Gehorsams.
Was auf den ersten Blick im Rahmen einer funktionierenden militärischen Organisation als selbstverständlich erscheint, war für die Zeit des Hochmittelalters in keiner Weise üblich.
Bezeichnenderweise ähnelten die Heere der Antike in Punkto Organisation und Disziplin bei weitem mehr denen der Neuzeit als es die des Mittelalters vermochten.
Im Vergleich mit einer römischen Kohorte oder einer hellenischen Phalanx müssen die Heere des Mittelalters wie ungeordnete Haufen gewirkt haben. Die Organisation der Heere war weniger nach dem Primat der Effizienz als vielmehr nach der Hierarchie des Lehnswesens ausgeprägt.
Die Ritter waren ihrem Stand entsprechend für gewöhnlich in breiter Front als erste Angriffswelle vorgesehen, die aber nicht in geordneten Formationen anstürmten, da dies einen militärischen Drill der Armee als ganzes Erfordert hätte, den es in der damaligen Zeit schlichtweg nicht gab. Ein mittelalterliches Heer wurde im Kriegsfall zusammengerufen, und es fanden sich dann auch bei den Rittern, zwar hervorragend ausgebildete Krieger zusammen, die aber nie im Verband oder gar als Teil einer Armee gedrillt worden sind. Im Grunde handelte es sich eher um einen losen Zusammenschluss hoch qualifizierter Einzelkämpfer. Auch die Befehlshierarchie, war mehr oder minder chaotisch. Ein jeder Ritter gehorchte nur seinem eigenen Lehnsherren und ein jeder Fußknecht nur seinem eigenen Ritter…eine ineinander übergreifende Befehlskette existierte dabei kaum, was wiederum taktisches Manövrieren des ganzen Heeres nahezu unmöglich machte. Man stellte die Heere einander gegenüber auf und stürmte je nach Ausgangsposition aufeinander zu oder versuchte eine Defensivstellung zu erstürmen. Wie effizient und schlagkräftig hingegen disziplinierte Heere mit professionellen Berufskämpfern gegen solch lose Heereszusammenschlüsse wirken konnten, sollte sich vor allem im Hundertjährigen Krieg zeigen, wo es den Engländern mit ihren gut ausgebildeten Fußsoldaten und Langbogenschützen immer wieder gelang, zahlenmäßig weit überlegene französische Ritterheere zu schlagen. Doch waren es die Templer, die diesen zuerst einschlugen, und das sehr viel umfassender als später die Engländer. Durch das Gehorsamsgelübde sollte eben das geschaffen werden, woran es im abendländischen Mittelalter fehlte: Ein geordnetes diszipliniertes Heer mit klaren Befehlshierarchien, geübt in Manövern auch mit größeren Verbänden und darauf ausgerichteten Taktiken.
Jegliche Verweigerung des Gehorsams wurde strengstens bestraft und hatte unter anderem den Ausschluss aus dem Orden oder schlimmeres zur Folge. Die Ritter übten gemeinsam Manöver mit den Sergeanten und übrigen Heeresteilen, was in einem normalen Feudalheer schon allein aufgrund des ständischen Klassenbewusstseins undenkbar gewesen wäre.
Das Bewusstsein der Templer, einer einzigartigen Elite anzugehören, entbehrte also durchaus nicht eines wahren Kerns. Allerdings half die Tatsache, dass sie nun als geschlossene disziplinierte Einheit zu agieren verstanden nicht darüber hinweg, dass das für die weltlichen Heeresteile, mit denen sie in der Regel gemeinsam kämpften, keineswegs auch galt. Kaum einer der kommandierenden Adligen wollte sich von den Templern, die nicht selten mit Neid und Argwohn beäugt wurden, etwas sagen lassen, und auch die Anführer der Templer, waren nicht gegen menschliche Fehler gefeit, wie sich beispielsweise am Verhalten des Großmeisters Gerard de Rideforts bei dem Desaster von Hattin zeigen sollte.
Das dritte Gelübde, das der Keuschheit, hatte seine Wurzeln vermutlich in der geistlichen Prägung dieses Ordens, der ja eine Symbiose von Rittertum und Mönchstum darstellen sollte.
Allerdings berücksichtigte dieses Gelübde auch durchaus weltliche Belange.
So sollte dadurch auch gewährleistet werden, dass der Orden stets frei von irgendwelchen dynastischen Bestrebungen blieb. Die Treue der Ritter sollte allein dem Orden und damit der Kirche gelten. Keiner sollte jemals vor die Wahl gestellt werden, ob er nun den Belangen des Ordens oder der Familie den Vorzug gewähren würde. (George Orwell greift diesen Gedanken in seinem Meisterwerk 1984 übrigens auch auf, dort allerdings zum Wohle einer Militärdiktatur). Auch sollte sichergestellt werden, dass der Orden stets nur von den fähigsten geleitet würde und nicht etwa ein Vater seinen Sohn beim Erreichen bestimmter hoher Ämter begünstigte. Natürlich entwickelten sich, ähnlich wie auch in der Kirche selbst, ganz eigene politische Strömungen, Neigungen und Präferenzen, die nicht immer nur das Wohl des Ordens zum Gegenstand hatten. Doch zumindest konnte einem Teil der genannten Probleme durch das Keuschheitsgelübde Einhalt geboten werden. Auch der Hintergrund, der dem Keuschheitsgelübde gewöhnlicher Geistlicher zugrunde lag, spielte natürlich eine nicht unbedeutende Rolle, jener nämlich, dem gemäß die Liebe des Aspiranten allein Gott gewidmet sein sollte, zumal es um das Frauenbild im Mittelalter ja auch nicht eben zum besten bestellt war.
Die von den drei Gelübden getragene Gemeinschaft der Templer machte in der Zeit ihrer Entstehung großen Eindruck vor allem auf die Geistlichkeit. Bernhard von Clairvaux soll seinen Eindruck von dem Orden wie folgt geschildert haben:
„Bei ihnen fehlt weder im Hause noch im Felde gute Zucht und der Gehorsam wird nicht gering geschätzt. Sie gehen und kommen nach dem Wink des Meisters, sie legen die Kleidung an, die er ihnen gibt und begehren von keinem anderen weder Kleidung noch Nahrung. In beidem wird Überfluss vermieden, nur für die Notdurft wird gesorgt. Sie leben miteinander fröhlich und mäßig, ohne Weiber und Kinder, und damit nichts an der evangelischen Vollkommenheit mangeln möge, ohne Eigentum in einem Hause eines Sinnes bemüht, im Bande des Friedens die Eintracht zu erhalten, so dass in allen gleichsam ein Herz und eine Seele zu wohnen scheint. Zu keiner Zeit sitzen sie müßig oder schwärmen sie neugierig umher; wenn sie vom Streite wider die Ungläubigen ruhen, was selten geschieht, so bessern sie, um nicht ihr Brot umsonst zu essen, ihre schadhaften oder abgenutzten Kleider und Waffen aus. Das Schach- und Brettspiel verabscheuen sie, der Jagd sind sie abhold und nicht minder der sonst beliebten Vogelbeize. Sie hassen die Gaukler, Bänkelsänger, allen üppigen Gesang und alle Schauspieler als Eitelkeit und Torheiten der Welt. Sie gehen nicht stürmisch und unbesonnen in die Schlacht, sondern mit Bedächtigkeit und Vorsicht, friedlich als die wahren Kinder Israel. Sobald aber der Kampf begonnen, dann dringen sie unverzagt in die Feinde, sie als Schafe achtend, und sie kennen keine Furcht, ob ihrer allzuwenige sind, vertrauend auf die Hilfe des Herrn Zebaoth. Darum sind oft von einem von ihnen tausend und von zweien zehntausend in die Flucht getrieben worden. Also sind sie in seltsamer Verbindung zugleich sanftmütiger als Lämmer und grimmiger als Löwen, so dass man zweifeln kann, ob man sie Ritter oder Mönche nennen soll. Doch ihnen gebühren beide Namen; denn ihnen ist die Sanftmut der Mönche und die Tapferkeit der Ritter zuteil geworden.“
Man mag die vom Enthusiasmus geprägten Übertreibungen wohl im Geiste der Zeit betrachten aber nichtsdestoweniger stellten diese Ritter die Verkörperung ja geradezu den Inbegriff der Ideale des Rittertums dar, und doch waren sie zunächst stets auf Bescheidenheit und Demut bedacht, denn nicht ohne Grund lautete ihr Leitspruch:
„Non nobis domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!“
was übersetzt soviel bedeutet wie:
„Nicht uns oh Herr, nicht uns, sondern Deinen Namen gib Ehre!“.
„Der Reichtum des Tempels“ oder eine „Erläuterung des Ursprungs des Bankwesens“
Nicht nur militärisch und ethisch strebte der Orden an die Spitze der Gesellschaft, auch wirtschaftlich vermochte er innerhalb kürzester Zeit atemberaubendes zu leisten.
Das Konzept des Bankwesens, das durch die Privilegien des Ordens ermöglicht wurde, war gleichermaßen raffiniert wie effizient und verhalf ihm zu nahezu grenzenlosem Reichtum.
Nach der Eroberung des Heiligen Landes und der –nicht zuletzt dank der Templer- wieder sicheren Handels- und Pilgerrouten florierte der Handel zwischen dem Abendland und der Terra Sancta prächtig. Allerdings war es für die Händler immer noch sehr riskant, größere Mengen Goldes zu transportieren, denn auf dieser langen Strecke konnte immer etwas passieren…Räuber zu Land, Räuber zur See, Stürme, die nicht wenige Schiffe auf den Meeresgrund beförderten und so weiter…
Die Templer boten den Händlern eine Alternative, denn sie boten ihnen an, beispielsweise in Frankreich Gold entgegenzunehmen, dessen Empfang zu quittieren und dem Händler dann im Heiligen Land sagen wir mal in Antiochia gegen Vorlage dieser Quittung das Gold abzüglich einer Gebühr auszuhändigen. Allerdings dauerte eine solche Reise ja recht lang, je nach Reisemittel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In dieser Zeit wurde mit dem verwahrten Gold gewirtschaftet, das heißt es wurde gegen Zinsen verliehen. Dieses verliehene Gold wiederum musste in vielen Fällen auch am Zielort gar nicht ausgezahlt werden, denn die Garantie des Tempels für die Verfügbarkeit des entsprechenden Goldbetrages, verbürgt in der Quittung, genügte vielen auch nach der Ankunft weiterhin als sicheres Zahlungsmittel. Man konnte eine Quittung zum Beispiel über 1000 Goldstücke erhalten, ebenso aber auch zehn Quittungen à 100 Goldstücke und damit dann bequem seine Handelsinvestitionen tätigen und sich den entsprechenden Differenzbetrag dann von seinem Handelspartner auszahlen lassen. Diese Art des Geldtransfers hatte für die Händler den Vorteil des gefahrlosen Geldverkehrs und für den Tempel den Vorteil, dass sie die verwahrten Summen problemlos mehrfach verleihen konnten, da das Gold ja nun für immer größere Zeiträume länger „uneingelöst“ in den Truhen lag. 1000 Goldstücke konnten damit beispielsweise zehnmal verliehen werden, sodass die darauf anfallenden Zinsen sich an einem Kapital von 10.000 Goldstücken bemessen ließen.
Faszinierend mutet in dieser Hinsicht insbesondere an, dass diese Quittungen dann in etwa die gleiche Funktion wie Bargeld annahmen. Der „goldlose“ Zahlungsverkehr erfreute sich dazu auch immer größerer Beliebtheit und breitete sich auch außerhalb der entfernten Handelsstrecken immer weiter aus. Auch auf Reisen innerhalb des Abendlandes drohten den Händlern Gefahren…zumal sich ein solcher Bürgschaftsbrief viel leichter transportieren ließ und auch der Transport einiger Quittungen bei weitem weniger Aufmerksamkeit von lichtscheuem Gesindel oder auch Steuereintreibern auf sich zog. Die Quittungen zu stehlen hätte auch wenig Sinn gemacht, denn welcher Räuber hätte schon den Mut aufgebracht, mit einem geraubten Bürgschaftsdokument in eine Templerniederlassung zu spazieren und die Auszahlung zu fordern? Zumal, ja bekannt werden würde, dass der Betreffende überfallen oder ermordet sei. Auch damit in der genannten Bargeldfunktion zu bezahlen war riskant, da die Quittungen ja immer den Namen des Empfängers aufwiesen, was die Rückverfolgung zum Täter durchaus erleichtern mochte. Damit waren diese Quittungen zu einem vergleichsweise unkomplizierten und bequemen Zahlungsmittel geworden.
Das Papiergeld war in gewisser Hinsicht geboren.
Der Wert wurde nun erstmalig auf Wertträgern abstrahiert, statt im Gold oder Silber selbst verkörpert zu sein. Und je mehr Menschen die Vorteile des goldlosen Zahlungsverkehrs nutzten, umso mehr Gold lagerte in den Schatzkammern des Tempels, das wiederum gegen hohe Zinsen verliehen werden konnte. Ein wacher Geist mag darin so einige Parallelen zum heutigen Bankwesen erblicken…
Es dürfte also kaum verwunderlich sein, dass der Tempel auf diese Weise schnell zu unerhörtem Reichtum kam, mit dem bekanntermaßen auch ein gehöriges Potential an Macht einherging. Mit zunehmendem Reichtum und Einfluss wurden daher immer weitere Niederlassungen mit der kombinierten Funktion von Bankhäusern und Kasernen in ganz Europa gegründet, die wiederum ihrerseits das Vermögen des Tempels wachsen und gedeihen ließen. Die nachfolgende Illustration, die die zahlreichen Niederlassungen des Ordens um 1300 zeigt, dürfte einigermaßen verdeutlichen, wie effizient dieses System ausgebaut und genutzt worden sein muss (Der Sitz des Großmeisters befand sich zu diesem Zeitpunkt übrigens auf Zypern). Die Bereiche Italien, Nord-Spanien (also Kastilien und Portugal) und Griechenland waren übrigens von ähnlichen „Bankhäusern“ der Johanniter übersäht, so dass ein nahezu lückenloses Banksystem entstand.
In den späteren Jahren sollten sich noch ganze Reiche und viele Könige bei den Templern verschuldet haben. Die politische Macht, die damit in ihren Händen lag, muss wohl nicht erst groß erörtert werden, ebenso wenig wie die Missgunst und der Neid, die damit einhergingen…
Zusammenfassend betrachtet ist das, was die Templer durch dieses System erschufen, eigentlich genau das, was auch heute noch die Grundidee einer jeden national, international oder gar global agierenden Bank ausmacht. Vor allem wirft dies ein Bild auf das Potential und den Reichtum eben dieser Banken, denn heute funktioniert dieses System weitaus perfider und ausgeklügelter…[für weitergehend interessierte darf hier auf das Internetvideo „Zeitgeist-Addendum“ verwiesen werden, wo dies ausgezeichnet erläutert wird, oder auf Stefan Erdmanns Buch „Banken, Brot und Bomben“.]
Fortsetzung folgt.....
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